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Entschuldigung, da ist eine Fliege in meiner Suppe

Diesen Witz gibt es hier nicht, warum, dazu später:

Kurz vor halb Acht am Morgen war es, dass mir der Startversuch glückte und mein Motorrad losknatterte. Bei "kaltem Motor" (28 Grad kalt) muss man den Zylinder wohl mit einer Extra-Portion Sprit versorgen, damit es knallt. Nunja - als ich los bin hingen die Wolken bis tief in die Ebene hinein. Das Wetter war nicht sooo optimal, genau richtig um den Sonnenbrand an meinen Armen zu pflegen.

Heute Morgen habe ich dann endlich die winzige Lücke zwischen erstem und zweitem Gang gefunden, die die Maschine neutral schaltet. Somit habe ich zum fotografieren beide Hände frei und muss nicht so oft neu-starten.
So 100 %ig zuverlässig klappt das zwar noch nicht, vor allem die entsprechende Leuchte am Amaturenbrett flackert auch nur nachts erkennbar auf, aber naja.

Den Berg, den ich noch zu erklimmen hatte habe ich noch nicht ganz genommen, da liess ich mich von einer Seitenstrasse locken.
Gut - Strasse wäre übertrieben - es ging eben einfach von der Strasse aus unendlich steil berg ab. Genau das richtige also für mich.

"unten" angekommen fand ich mich in einem Dorf, oder vielmehr einer Ansammlung von Hütten wieder. Ich folgte direkt der Einladung der, inzwischen aus ihren Hütten hervor gekommenen Bewohner und kehrte in ihr Haus ein.

Ich wurde unmittelbar zum Sonntagsfrühstück der Herren eingeladen.
Mir wurde eingeschenkt und aufgetischt. Im Glas befand sich Reis-Wein (31 % Ethanol, wie er schrieb).

Holla die Waldfee.

Kaum hatte ich einen Schluck genommen, so wurde schon wieder nachgefüllt.
Irgendwann konnte ich sie dann davon überzeugen, dass ich ja noch weiterfahren müsse, und deshalb nicht weiter trinken könne. Das wollten sie mir dann glauben und fortan bekam ich Tee.

Zu Essen gab es die Haus-gemachte Blutwurst, Reis, etwas Gemüse und Insekten. Ich habe nicht nachgefragt, ob es Bienen oder Wespen sind - aber man konnte sie sogar essen.

Ich zeigte einige der Bilder, die ich mitgebracht habe - wodurch sich deren Anzahl etwas reduzierte, aber dazu sind sie ja da. Die werden jetzt sicher in den nächsten Tagen noch für Gesprächsstoff sorgen.
Zwischendurch lugten auch immer mal wieder ein Paar Kinder durch die Tür - halb aus Neugier, halb aus Angst trauten sie sich nie lange in den Raum.

Nach einer guten Stunde setzte ich meine Fahrt weiter fort und hatte erstmal den ewig steilen, matschig-rutschigen Berg vor mir - mit genügend Gas war aber auch dieser zu nehmen.

Nach einer weiteren kurzen Tee-Pause bei einem Bauern, der gerade genau die Art von Früchten abpackte, die ich vorhin auch zu essen bekam. Das Tolle ist, dass man hier echt überall so herzlich willkommen ist - das ist echt genial. Jeder, der eine Hand frei hat winkt einem zu, ruft "Hello" hinter einem her oder hupt einfach nur.

Meine zweite Abkürzung ins Hinterland führte mich auf ein Fußballfeld.
Nach einer halben Stunde lag ich so weit vorne, dass ich mich mit meiner Kamera zum Zentrum des Hochplateaus machte.



Gegen Mittag kam ich dann in Moc Chau an.

Als erstes besorgte ich mir hier eine große Vietnam-Flagge, deren gelber Stern nun auf dem Hinterteil meines Motorrads prangert.
Auf dem örtlichen Markt waren sehr viele Frauen in Trachten.
Diese sind schwarz gekleidet und haben viele bunte Streifen und schellende Münzen. Die Haare haben manche zu einem - wie soll ich es nenne - Turban auf dem Kopf hoch-gesteckt.

Nach einiger Zeit bin ich dann auch weiter.
Als ich kurz hinter dem Ort die Flagge besser befestigen wollte musste ich feststellen, dass meine Jacke, die ich unter der Flagge verstaut hatte verschwunden war.

Also Rückwärtsgang eingelegt und siehe da - kaum 1 Kilometer zurück lag meine Jacke mitten auf der Strasse.

Nach einigen weiteren Zwischenstopps im Reisfeld und um andere Fotomotive einzufangen habe ich die letzten 40 Kilometer bis nach Son La, wo ich gerade bin nur noch gepumpt. Mit 70 Sachen durch die Landschaft brettern - auf das Material wird keine Rücksicht genommen - nur irgendwann ankommen. Gute 250 Kilometer bin ich jetzt von Hanoi entfernt, ich muss mal herausfinden, wie viel ich bisher gefahren bin.

Jetzt schlafen!

"Love you - I wishes for my friends happy today and today!!!" steht heute auf meinem Kopfkissen - was immer das auch heißen mag.

Alles in allem, war ich heute sehr von der herzlichen und ehrlichen Offenheit der Menschen hier angetan. Dadurch, dass es hier nicht so viele Touristen hin verschlägt sind die Menschen noch nicht so "verkommen".
Die vorsichtige Neugier meiner Kamera gegenüber kann man sehr leicht überwinden, indem man etwas anderes fotografiert und ihnen das Ergebnis zeigt.

Ich bin schon sehr gespannt, was mich hier noch alles erwartet.

Die Bilder zum Tag gibts hier. bildervietnam

Comments

Beste Grüße aus Karlsruhe, Flokemon. Deinen Schilderungen nach klingt das soweit nach einer ziemlich coolen Reise, direkt beneidenswert :-P
Habe es am Wochenende nur bis nach Rügen geschafft; Johannes beim Umzug nach Stralsund geholfen. Zwar auch im Osten, aber nicht wirklich Asien ;-)

Sieh zu, dass die Kiste nich ka Sprit hat ─ sonst mussu am Ende noch a Renne gewinne! Und rutsch nich aus!

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